Schnittkalender im Garten: welcher Strauch wann die Schere braucht

Die Schere liegt immer bereit, aber der Kalender entscheidet. Wer Flieder im März stutzt, schneidet die Blüte weg. Wer Himbeerruten nach der Ernte stehen lässt, hat im nächsten Jahr weniger junge Triebe. Oma hat nicht jeden Strauch am selben Samstag geschnitten, sondern nach Monat und Pflanze.

Im tiefsten Winter, Januar und Februar, darfst du Obstgehölze in Ruhe schneiden: Apfel und Birne, bei milder Lage auch Pflaume, solange es nicht beißend frostet. Totholz raus, nach innen wachsende Triebe raus, die Krone lichten. Rosen im Spätwinter auf drei bis fünf nach außen zeigende Augen. Wein vor dem Austrieb, sonst blutet er.

März ist die Zeit für Sommerblüher und Ziergräser. Was im Sommer blüht, darf vor dem Austrieb zurück. Pampas und Chinaschilf auf eine Handbreit über dem Boden. April: Hände weg von Flieder, Forsythie und Zierquitte – die tragen die Blüte schon an den Zweigen. Nur Verkahltes entfernen.

Nach der Blüte im Mai kommen Forsythie, Flieder und Zierjohannisbeere an die Reihe. Dann bilden sie neues Holz fürs nächste Jahr. Juni ist Heckenschnitt nach dem ersten Schub, Liguster und Hainbuche in Form, nicht ins Vogelbrutgeschäft schneiden. Juli: Wasserschosser am Obstbaum ausreißen, Lavendel nach der Blüte kürzen, Früchte ausdünnen.

August: Pfirsich und Aprikose nach der Ernte, zweiter Heckenschnitt, verblühte Rosenputzen. September: Himbeerruten, die getragen haben, bodennah raus; Sommerstauden, die verholzen, zurück. Oktober: kein starker Schnitt mehr, der Frost kommt. Nur krankes und totes Holz. November nach dem Laubfall: Laubgehölze, Kletterrosen anbinden und leicht einkürzen. Dezember gehört der Pflege: Klingen schärfen, desinfizieren, Öl auf die Gelenke.

Die Regel dahinter ist älter als jeder Kalender: Was vor dem Johannistag blüht, schneidest du danach. Was im Sommer blüht, schneidest du im Vorfrühling. Im Zweifel weniger wegnehmen als zu viel. Ein sauberer, scharfer Schnitt heilt besser als ein gequetschter. So bleibt der Garten in Form, ohne dass du die Blüte verschenkst.

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