
Kein Guru, kein Sanskrit auf der Zunge, keine Stunde im Studio. Zehn Minuten zwischen Bettkante und Kaffeekanne. Der Morgenfluss soll wach machen, nicht beeindrucken. Wer danach ins Beet oder an den Herd geht, braucht lockere Gelenke und einen klaren Kopf – mehr Ziel hat die Sache nicht.
Stell dich aufrecht hin, Füße hüftbreit, die Berghaltung. Schultern sinken, Scheitel nach oben. Drei Atemzüge. Dann mit leichtem Knie in die Vorwärtsbeuge, Hände an Schienbein oder Boden, Kopf hängen lassen. Nicht federn. Aufrichten über einen runden Rücken, Wirbel für Wirbel.
Aus der Beuge in den herabschauenden Hund: Hände und Füße am Boden, das Gesäß nach hinten oben, die Fersen dürfen oben bleiben. Drei ruhige Atemzüge. Wer die Arme nicht streckt, beugt die Knie. Danach die Knie absetzen, Hüfte über die Fersen, Stirn runter – Kindhaltung, fünf Atemzüge, Pause.
Weiter auf den Bauch. Die Hände unter die Schultern, nur die Brust hebt sich zur sanften Kobra, das Schambein bleibt liegen. Nicht den Hals in den Nacken knicken. Wieder Kindhaltung. Dann auf alle Viere und ein paar Runden Katze-Kuh, bis der Rücken warm ist.
Zum Schluss im Sitzen eine sanfte Drehung: aufrechte Wirbelsäule, eine Hand hinter den Körper, den Blick mitnehmen, beide Seiten. Aufstehen, noch einmal Berghaltung, die Arme einmal über den Kopf und locker fallen lassen. Fertig. Wasser trinken, Fenster auf, Kaffee.
Wenn etwas zwickt, lässt du die Kobra und den Hund weg und bleibst bei Kindhaltung und Katze-Kuh. Das ist ein kurzer Hausfluss, kein Trainingsplan und keine Therapie. Zehn Minuten, immer dieselbe Reihenfolge, dann sitzt er im Körper wie das morgendliche Gießen im Garten.